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“Haltet ein!“ – der 9. November 2019

Synagoge 19Es gibt an diesem Abend in der Stiftskirche kaum mehr einen freien Platz, als Pfarrer Guido Lacher uns zum Gottesdienst in Erinnerung an die Reichspogromnacht 1938 begrüßt.

Mit ihm im Gebet vereint sind Pfarrer Ingo Schrooten von der Evangelischen Kirchengemeinde Maifeld und ein Vertreter des Judentums.
Konfirmandinnen aus Polch berichten von ihren Gefühlen und Reaktionen, während sie sich mit der Verfolgung und Ermordung jüdischer Menschen in unserer Stadt und im Maifeld befassten. Katharina und Tabea begleiten uns mit ihrer Musik in unserer Betroffenheit über das Gehörte.
Vor dem Auszug aus der Kirche erklärt uns Marcel den jüdischen Trauerbrauch, im Gedenken an die Verstorbenen Steine auf deren Gräber zu legen. Am Ausgang der Kirche erhalten wir Kieselsteine mit jüdisch-christlichen Symbolen, die wir bis zum Haus Bornstraße 3 tragen. Hier machen wir schweigend halt. Da es keine Gräber der Ermordeten gibt, legen wir die Steine auf die fünf Messingplatten mit den Namen der letzten Bewohner des Hauses.
Fynn berichtet uns von der Geschichte des Hauses und des Schicksals seiner Bewohner. Das Haus hat eine besondere Bedeutung in der Geschichte der jüdischen Gemeinde der Stadt. Über 200 Jahre, bis 1886, war hier der Betsaal der Juden. Seit 1900 lebte in dem Haus die Familie David und Moritz Diewald. Im Gedenken an die Ermordung der Familie wurden am 27. Juni 2019 neben der Eingangstür 5 Stolpersteine verlegt.
Marcel erinnert an die Bedrohungen von Juden in Deutschland in diesem Jahr. Das schlimmste Ereignis war am 9. Oktober, am höchsten jüdischen Feiertag, Yom Kippur, der versuchte Terroranschlag auf die Synagoge in Halle und in der Folge die Ermordung von zwei Menschen. Julia fordert einen konsequenten Schutz der Juden in unserem Land. Franziska erklärt uns, bevor wir weitergehen, was die Schülerinnen des evangelischen Religionskurses der 13. Jahrgangsstufe mit ihrem Lehrer Martin Müller für uns in der Synagoge vorbereitet haben.
Bevor wir zur Synagoge abbiegen, erhalten wir die von den Schülerinnen angefertigten farbigen und gekennzeichneten Tontafeln. Empfangen von Klezmermusik des Blockflötenensembles “Viva la musica“ betreten wir die Synagoge, die nicht alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gedenkfeier aufnehmen kann. Vor der Thoranische entzünden wir an Leuchtern unsere Kerzen und legen die Tontafeln an der vorgezeichneten Stelle ab. Es entsteht das Bild der Synagoge vor den kräftigen Farben eines Regenbogens. Wie uns Franziska erklärt hatte, das weiße Licht enthält alle Farben, es spiegelt die Gesamtheit der Menschen wider. Die einzelnen Farben stehen für die verschiedenen Kulturen. Die Menschheit kann nur mit der Anerkennung und Respektierung der Verschiedenheit der Kulturen, Religionen überleben.
Katharina und Tabea, als Vertreter der SV unseres Gymnasiums, verlesen die Namen der ermordeten Männer, Frauen und Kinder aus Münstermaifeld. Der Vertreter des Judentums spricht danach das hebräische Totengebet “El male rachamim“. Damit wird die Ermordung der Juden Münstermaifelds als Teil der Shoa erinnert und beklagt. Die Lobpreisung Gottes im Kaddisch schließt das Gedenken an die Toten ab.
Mit dem gemeinsamen Segensspruch aller drei Religionen verlassen wir die Synagoge. Die Kerzen um das Tonkachelbild der Synagoge mit dem Regenbogen brennen weiter in die Nacht. Wir gehen an dem Haus Bornstraße 3 vorbei, nehmen einen der Kieselsteine in den Farben des Regenbogens auf. Wir sind uns einig, es gibt ein Zeichen der Hoffnung. Denn es war heute Abend ein starker Ruf: “Haltet ein!“.

Das Kurfürst-Balduin-Gymnasium ist eine vierzügige Schule im Herzen des Maifeldes, zwischen Mayen und Koblenz gelegen, in der Nähe der Burg Eltz. Die Trägerschaft hat der Landkreis Mayen-Koblenz.

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